Bar - Am 07.04.2022 fuhr die gesamte 11. Jahrgangsstufe im Rahmen des Geschichtsunterrichts in die Gedenkstätte des KZ Dachau. Während der Geschichtsunterricht die Grundlage bildete, konnten wir in Dachau den geschichtlichen Zugang vor Ort nachempfinden.

Nach der ca. 2 stündigen Fahrt, hatten wir von 10:20 Uhr bis 11:40 Uhr Zeit für eine selbstständige Führung durch das Museum mit den verschiedenen Ausstellungstafeln, in denen es beispielsweise darum ging, wie es zur nationalsozialistischen Diktatur kam, wie der erste Weltkrieg und die Novemberrevolution entstanden sind sowie zahlreiche Informationen um den Beginn der SS-Herrschaft.

Außerdem hatten wir einen Einblick in die Lebensbedingungen der Häftlinge im Lager, im Zusammenhang mit deren medizinischer Versorgung, welche von Anfang an unzureichend war sowie einen Einblick in den sogenannten Gedenkraum, welcher zur Erinnerung an Einzelpersonen und Gruppen, die im Konzentrationslager Dachau inhaftiert waren dient, mit denen Besucher das "Totenbuch” des Konzentrationslagers Dachau in digitaler und gedruckter Form einsehen können. Das Gedenkbuch enthält die Namen von Häftlingen, die an den Folgen von Folter und unmenschlichen Lebensbedingungen starben, was ein individuelles Gedenken in Würde ermöglicht. Besucher können Nationalität, Beruf, Geburtsort und -datum sowie Todesdatum der Häftlinge abrufen.

Nach unserer selbstständigen Führung wurden wir kursweise Tourguides zugeteilt. Unsere Führung leitete Frau Hörmann und wir befanden uns anfangs vor dem Jourhaus bei den Überresten des ersten Lagers, wo uns erklärt wurde, wie das KZ früher ausgesehen hatte und welche zynischen Mittel die Wärter verwendeten, um die Häftlinge glauben zu lassen, dass sie durch Arbeit frei kämen, diese Einstellung machte sich ebenfalls an der Eingangstür bemerkbar. (Foto: A. Hemdan)

Anschließend verschafften wir uns einen Blick auf den SS-Lagerbereich, wo Schutzstaffel-Männer ausgebildet und für das Schikanieren der Häftlinge trainiert wurden. Daneben befanden sich die Lagerbäckerei sowie die SS-Kommandantur, wo der Dienstsitz des ersten KZ-Kommandanten Hilmar Wäckerle lag. Nach dem Jourhaus folgte das „Wirtschaftshaus“, das Hauptgebäude. Neben Arbeitsbereichen war hier auch der Schubraum, der Aufnahmeort der Häftlinge, an dem ihnen alles Persönliche wie beispielsweise Briefe, Ausweise, Taschen oder Bilder abgenommen worden ist. Daraufhin wurden die Häftlinge rasiert und nackt zur Desinfektionsstation gebracht. Dies sollte nochmals verdeutlichen, dass den Häftlingen klar gemacht werden musste, dass sie weder Rechte noch Macht oder Kontrolle ab diesem Zeitpunkt besitzen. Infolgedessen wurde uns das Lagergefängnis gezeigt, um uns in die Lage der Häftlinge besser hineinversetzen zu können. Dieses war der zentrale Ort des Terrors, wo die Gefangenen in Stehzellen mit einer Größe von 80x80cm eingesperrt und misshandelt wurden. Desgleichen gab es Dunkelzellen, die aufgrund der durchgängigen Dunkelheit die Gefangenen mitunter wahnsinnig und psychisch krank machten. Weiterhin wurden uns die sogenannten “Häftlingswinkel” erklärt, diese sind, verschiedenfarbige Dreiecke, welche die verschiedenen Gefangenen-Gruppen wiedergaben. Dabei stand die Farbe Rot für politische Häftlinge, Blau für Berufsverbrecher, dies war in der Sprache der Nationalsozialisten beispielsweise auch jemand, der zweimal ohne Führerschein fuhr, die Farbe Rosa stand für Homosexuelle, welche von den Nationalsozialisten als unmenschlich und somit strafbar angesehen wurden und letztlich die Farbe Schwarz, welche sowohl für Arbeitslose und Obdachlose als auch für die jüdischen Häftlinge stand. Der Hauptgrund für diese strenge Einteilung war dabei das Verhindern von Einheitsbildung unter den Gefangenen.

Die Solidarität zwischen den Gefangenen im Konzentrationslager symbolisiert das folgende Relief in Form einer Kette. Foto: A. Hemdan)

Kurz darauf lernten wir etwas über die in Dachau praktizierten Strafen die zum Beispiel an Sonderhäftlingen wie Georg Elser, welcher am 8. November im Jahr 1939 einen Anschlag auf Adolf Hitler plante, ausgeführt worden sind. Schockierend war dabei die eigentliche Ausübung der Strafen, denn diese wurde von den Häftlingen selbst ausgeführt und sie mussten trotz jeglicher Strafe und jeglichem Leid weiterarbeiten. Eine für uns furchtbar zu hörende Strafe, war dabei die so genannte “Prügelstrafe”, bei der die Häftlinge 25 Schläge auf den Körper bekamen, während sie jeden Schlag mitzählen mussten. In dem Fall, dass sich ein Häftling verzählt, begann die Strafe und damit auch die Demütigung von neuem.

Eine weitere menschenverachtende Strafe war das “Pfahlhängen”, bei dem die Hände der Häftlinge an den Rücken nach oben gebunden wurden, wobei sie zwischenzeitlich auf einem Schemel standen, der später umgeworfen wurde.

Unmittelbar nachdem die 7.US-Armee am 29. April 1945 das Konzentrationslager Dachau befreit hatte, war noch nicht absehbar, dass in Dachau eine Gedenkstätte entstehen soll. Aus diesem Grund waren die originalen Baracken der Häftlinge teilweise zerstört, weshalb heute nur rekonstruierte Baracken in der Gedenkstätte zu finden sind. Vor der Betrachtung dieser lernten wir einiges über den Alltag der Häftlinge kennen, welcher jeden Morgen um 5:15 mit dem Antritt zum Zählappell begann, wo die Gefangenen in Zehner Reihen zu einer weitläufigen Fläche, dem Appellplatz, marschierten. So wurden die Häftlinge von der SS gezwungen bei jeder Witterung regungslos stundenlang in militärischer Haltung zu verharren. Im Grunde diente dieser Platz zur Entwürdigung und Misshandlung der Häftlinge, welche wiederum zur Demütigung und Abschreckung vor allen durchgeführt worden ist, aber auch die Ausübung der Macht an den Häftlingen war wieder eine zentrale Intention.

Der Tagesablauf bestand hauptsächlich aus anstrengender Arbeit in verschiedenen Arbeitsbereichen wie Luftrüstung oder im Kräutergarten. Als wir uns dann in die Baracken gingen, stießen wir auf neben-und übereinander gereihte Betten zu, welche von zwei bis drei Personen geteilt wurden. Ebenfalls waren die Toiletten so gebaut, dass jeder den anderen sehen konnte, was die Privatsphäre jedes Einzelnen verachtete. Neben den Baracken, in denen die Gefangenen gelebt hatten, gab es eine Krankenbaracke, das sogenannte Krankenrevier. Es fungierte als eine Art Lagerkrankenhaus, wo aber auch grausame medizinische Versuche an den Häftlingen durchgeführt wurden. Diese bestanden zum Beispiel in Unterkühlungs-, Höhen-, und Meerwasserversuchen. So wurden Gefangene in einem Wasserbecken lebensbedrohlich unterkühlt, in einer Unterdruckkammer extremen Druckschwankungen ausgesetzt oder gezwungen chemisch behandeltes Salzwasser zu trinken.

Auf dem Weg zur sogenannten "Baracke X", welche das ehemalige Krematorium mit einer Gaskammer bildete, wurden uns vier religiöse Erinnerungsorte gezeigt. Dies waren die Todesangst-Christi-Kapelle, das Kloster Karmel Heiligblut, eine evangelische Versöhnungskirche und eine jüdische Gedenkstätte.

Später kamen wir dann zum eigentlichen Krematoriumsbereich. Dieser ist der Haupterinnerungsort in der Gedenkstätte. Das Gebiet wurde bereits genutzt, um unmittelbar nach der Befreiung an die Toten zu erinnern.

Dort befand sich ein vorgetäuschtes Bad, welches sich auch das "Brausebad" nannte. Hier sollten die Gefangenen durch Giftgas vernichtet und später in Verbrennungsöfen massenweise eingeäschert werden; vermutlich – aus bis heute nicht eindeutig nachweisbaren Gründen- wurde diese Gaskammer nur probeweise in Betrieb genommen.

Zwischen 1933 und 1945 starben rund 41.500 Menschen an Hunger, Erschöpfung und Krankheit, oftmals direkt auf Folter zurückzuführen, oder wurden im Konzentrationslager Dachau und seinen Nebenlagern brutal ermordet.

Nach dem Besuch des Krematoriums endete unser Besuch in Dachau mit einer verkürzten Essenspause und wir fuhren wieder zurück.

Eine bedrückende, zugleich aber auch informative und nachdenkliche Exkursion endete hiermit.

(Mohammed Al-Rawi und Asmaa Hemdan, Kurs Dr. Barth Q11)

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Barth Dr., Erwin
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